Bloss keine Vorsätze – Willkommen 2016

Das neue Jahr beginnt und vor mir liegen nicht gute Vorsätze, sondern wieder jedes Jahr ein leeres Blatt Papier. Nicht das es bei mir nicht ein paar Dinge gäbe, die es sich lohnen würde mit Vorsätzen zu versehen, aber tatsächlich ist es meiner Erfahrung nach so, dass Vorhaben und Vorsätze die ausgesprochen sind, sich in der Regel genau damit – mit dem Aussprechen – begnügen. Also keine Vorsätze, sondern lieber ein „Machen“.

Bäh, Juchhu und so lala

Vorbehaltlos starte ich in das Neue Jahr und lasse hinter mir was eindeutig ein „Bäh“ war und bin gespannt auf all das, was dieses Jahr vor mir liegt. Aber ich schaue auch mit Freude und Dankbarkeit auf das zurück, was „Juchhu“ gewesen ist und betrachte kritisch dass, was mir Herausforderung und auch negative Energien verursacht hat. Zu meiner überwiegenden Freude und in Teilen zu meinem Leid, ist ja nicht alles schwarz oder weiß, „Juchhu“ oder „Bäh“. Dazwischen liegt viel grau und „so lala“. Und dies gilt es auch in diesem Jahr wieder zu händeln, abzuwägen und in der Schattierung einem hell oder dunkel zuzuweisen bzw. auf mich zukommen zu lassen ob die Sonne es durch die Wolkendecke schafft oder eben nicht. Und auch das wird wieder – zumindest in der Rückschau großartig und aufschlussreich. Mit Sicherheit ein nicht immer gesuchter Lernprozess, aber ein im Resultat überwiegend guter. Denn aus solch einem Prozess resultieren Entscheidungen, ob privat oder beruflich, nur mich betreffend aber auch Kunden, Dienstleister und Projekte. Was verschwommen war wird wieder klar. Herrlich. Willkommen 2016!

Positive Energie und immer eher ein Gemeinsam statt ein Gegeneinander

Völlig klar ist mir, und denjenigen, die mit mir an Ideen, Projekten und Aufträgen schon gemeinsam gearbeitet haben: Für mich gibt es nur wenig anstrengenderes als Unbeweglichkeit, ein pauschales „Geht nicht“ oder Halbherzigkeit, Menschen die nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind und denen „Wertschätzung“ ein Fremdwort ist. Menschen die so eine Einstellung haben und dies auch in ihrer Arbeitsweise ausdrücken, für die werde ich in diesem Jahr noch weniger meiner Energie aufbringen als bisher und statt dessen noch mehr mit Menschen zusammenarbeiten und -denken die vorwärts gehen wollen, die Verändern und Bewegen möchten, die für eine Sache (mit)brennen und die für ein Gemeinsam oder Füreinander statt einem Gegeneinander Kraft aufbringen. Natürlich habe ich nicht immer die Wahl, denn an gemeinsamen Vorhaben arbeitet man nun mal im Team und nicht immer darf ich es mir frei zusammenstellen.  Aber sofern ich die Entscheidungsfreiheit oder -einfluss habe, werde ich entsprechende Entscheidungen treffen (lassen).  Gut, das ist wohl doch als Vorsatz lesbar, aber eigentlich meint es mehr ein „genauso wird es sein“, als ein „ich nehme mir vor“.

Verantwortung übernehmen – Vorstandsarbeit im Kreativen Leipzig e.V.

Ich habe mich dafür entschieden wieder mehr Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung in einem Bereich, wo ich mich als Schnittstellenakteur in der Kultur- und Kreativwirtschaft sehr gut auskenne. Seit Dezember letzten Jahres bin ich nun Vorstandsmitglied im Kreativen Leipzig e.V., dem Branchenverband der Leipziger Kultur- und Kreativwirtschaft, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit engagierten und klugen Vorstands-Köpfen und spannende zum Teil neue Aufgabenfelder. Seit meiner Jugend gehören ehrenamtliches Engagement und Vereinsarbeit für mich dazu und für zwei Vereine durfte ich bereits Vorstandsarbeit leisten. Nun liegt der jüngste Einsatz schon 5 Jahre zurück. Es wurde Zeit für ein neues Engagement.

Aufräumarbeit im Dienstleister-Netzwerk

Klarheit habe ich mir auch in meinem Arbeits-Netzwerk verschafft. Ich habe meine Dienstleisterkartei durchforstet und auf den Prüfstand gestellt. Klassisch mit Pro und Contra-Liste für jeden Einzelnen mit dem ich in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet habe. Wie lief die Zusammenarbeit, wie war das Resultat, welche Budgets standen dahinter? Haben Aufwand und Resultat im angemessenen Verhältnis zueinander gestanden? Mit wem arbeite ich aus nostalgischen Gründen (noch immer) zusammen, mit wem aus welchen Gründen noch nicht? Ich habe Entscheidungen getroffen. Diese haben für eine bessere Sicht gesorgt. Auf die Dinge, die Menschen, das Miteinander. Nicht mit Bauchschmerzen, oder mit Frust, sondern mit Klarheit und Gelassenheit und einem guten Gefühl.

Herzensprojekte unter die Lupe genommen

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge habe ich zuletzt auch meine geschenkte Zeit für Herzensprojekte unter die Lupe genommen. Projekte, die mir wichtig sind und für die ich brenne weil sie so toll sind und für die ich andere Dinge die mir auch wichtig sind stark vernachlässige. Solche Projekte haben bei mir oft eine lange Lebensdauer, ich räume ihnen jedes Fitzelchen meiner (vermeintlich) freien Zeit ein, verschiebe dafür kurzerhand Prioritäten und verknüpfe privates und berufliches Netzwerk um die maximalen Ressourcen dafür zusammenzuführen. Solche Projekte leben von der Begeisterung für die Idee, dem gemeinsamen Spinnen und Kreieren  und von dem gemeinsamen Umsetzen. Wenn aus einer Idee Wirklichkeit wird und Früchte trägt dann ist das großartig und rückblickend meist auch irgendwie verrückt.

Der Blick durch eine Lupe ist unbarmherzig. Vor allem dann, wenn man die Antwort eigentlich vorher schon weiß, wenn die Entscheidung rational bereits getroffen, aber das Herz noch nicht ganz loslassen möchte. Ich trage die Entscheidung schon ein paar Wochen mit mir herum, wir haben im Team darüber gesprochen und nun ist es tatsächlich so: Ich habe mich schweren Herzens vom Leipziger Fotomarathon verabschiedet. Und weil es dazu noch mal drei Worte mehr bedarf, habe ich dazu einen gesonderten Artikel verfasst:  Abschied vom Leipziger Fotomarathon.

Dennoch, ich freue mich auf 2016 – auf spannende Begegnungen, tolle Projekte und Aufträge und auf ein gutes neues Jahr!

Abschied vom Leipziger Fotomarathon – Danke für 3 tolle Jahre!

Ich habe mich vom Leipziger Fotomarathon verabschiedet. Für 2016 definitiv, für danach, ich vermag´s noch nicht zu sagen.
Drei Jahre habe ich mich neben den für alle im Team anfallenden Aufgaben (Ideen spinnen, organisieren und kreieren) um die Kommunikation und zwischendurch auch um die Projektsteuerung des Fotomarathons in Leipzig gekümmert. Eine tolle Zeit, mit spannenden Menschen mit wahnsinnig viel Spaß am Tun. Die verrückten Fotomarathonisten fanden unser Event toll und ich habe über das Team hinaus großartige Menschen kennengelernt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Wir haben gemeinsam als Team ein Event geschaffen, welches Fotobegeisterte aus der ganzen Republik nach Leipzig gezogen hat, wir haben Motiv-Aufgaben ausgeheckt, die die Hälfte der Teilnehmer doof und die andere super fand, wir haben die Fotomarathonisten durch die Stadt gejagt und sind dabei selbst ordentlich ins Schwitzen gekommen und am Ende des Tages waren wir mindestens genauso glücklich und erschöpft wie die, die sich unserer Fotochallenge gestellt haben. Danke ihr lieben Fotomarathonisten für eure gute Laune, eure Motivation und euren Ehrgeiz – auf diesen einen gemeinsamen Tag im Jahr habe ich mich jedes Jahr aufs neue total gefreut.

Wir haben bemerkenswerte Juroren gewinnen können, die nicht nur mal eben im Vorbeigehen die Bilder bewertet, sondern die sich ernsthaft und engagiert mit den Arbeiten der Fotomarathonisten auseinandergesetzt haben, die gestritten, gefeilscht und fachlich diskutiert haben. Ich war und bin noch immer beeindruckt – nicht nur von der Fachexpertise, sondern auch und besonders von den Menschen an sich.

Und wir haben tolle Abschlussveranstaltungen auf die Beine gestellt und jedes Jahr eine echt richtig große und gut besuchte Ausstellung organisieren können. Ein Kraftakt, den wir gemeinsam gestemmt haben. Ehrenamtlich erdacht, geplant und umgesetzt mit 6 Leuten im Team, unterstützt durch zahlreiche Förderer und Sponsoren und motiviert durch jede Menge Begeisterung von Teilnehmern.

Wow, nun sind drei Jahre wie im Flug vergangen, wir haben die Strukturen erprobt und erarbeitet, wir wissen, dass dieses Format „Leipziger Fotomarathon“ sehr gut funktioniert – und wir wissen, wie intensiv die Vor- und Nachbereitungszeit ist. Wir kennen uns im Team und wir wissen wie jeder arbeitet – super Voraussetzungen für ein viertes gemeinsames Jahr!

Noch immer finde ich die Fotomarathon-Idee toll und ich bin und bleibe glühender Fan. Und ja, ich möchte sogar endlich selbst zur Kamera greifen und mitmachen, denn genau das wollte ich als ich von dem Projekt erfuhr und ehe ich um Mitwirkung angefragt wurde. Vielleicht, ja hoffentlich kann ich dies noch in diesem Jahr!?
Diese Entscheidung liegt nun nicht mehr mit in meiner Hand.

Denn ich selbst brauche nach drei Jahren Organisationsteam eine Projektpause. Neben der Freude und dem Stolz, dass wir etwas Tolles aufgebaut haben was funktioniert, gibt es auch die Erkenntnis, dass alles wunderbar funktioniert. So wie es ist. Es jetzt grundlegend zu ändern wäre in meinen Augen absurd, denn es ist ein erfolgreiches Konzept, welches mit den vorhanden Ressourcen umsetzbar ist. Dennoch würde ich es mal ganz anders ausprobieren wollen, mit anderer Zielsetzung, anderen Rahmenbedingungen, frischem Teamwind…

Nun aber muss ich bei aller Liebe und Treue zum Herzensprojekt offen legen, dass dafür nicht mehr genügend Kraft & Energie vorhanden ist, dass ich nicht mehr genug brenne um wohlwissende Durststrecken gut überwinden zu können, dass diese ehrenamtlichen Projektaufgaben für mich als Selbstständige derzeit insgesamt mehr zur Last gereichen denn zur Freude. Daher bleibt nur, auf Reisen zu gehen, mir den Wind durch die Haare wehen zu lassen und Kraft zu tanken und Neues zu entdecken. Das tu ich nun. Im Gepäck eines meiner wohl liebsten Herzensprojekte und jede Menge Erfahrungen und Geschichten aus einer spannenden Zeit.

Danke liebes Team! Auf Wiedersehen und bis bald!

Team des Leipziger Fotomarathon
Team des Leipziger Fotomarathon 2015 – Jens, Adelina, Daniel, Simon, Corwin und ich. (Fotograf: Selbstauslöser in Corwins Atelier, Bildrechte @Leipziger Fotomarathon)

Beste Grüße – wie gruselig!

Ich bin sehr oft irritiert, wenn ich als Abschiedsformel in einer E-Mail „Beste Grüße“ lese. Und das, obwohl man mir ja meist „das Beste“ wünscht. So zumindest versuche ich an guten Tagen die Grußformel, in den (inzwischen) meisten beruflich bis semi-beruflichen E-Mails, zu deuten. An allen normalen Tagen, oder nach der Dritten „Beste Grüße“-E-Mail, oder der E-Mail eines mir sehr gut Bekannten und oft in Korrespondenz Stehenden, denke ich mir, so ein Quatsch, was soll das mit diesem „Besten Gruß“?

Ich kann damit (noch immer) nichts anfangen. Sorry. Es transportiert für mich nichts. Ich gehe sogar soweit, zu sagen, dass ich es fast als unhöflich empfinde, mit dieser Grußformel aus einer E-Mail entlassen zu werden. Es kommt natürlich auf den eigentlichen Inhalt der Korrespondenz an, aber in den wenigsten Fällen passt es irgendwie insgesamt, zum Schreibenden, zum Inhalt, zur gewählten Sprache. In den allermeisten Fällen empfinde ich es als einen abrupten Schubs aus einer menschelnden Schreiberei oder einer höflichen und persönlich gehaltenen schriftlichen Kommunikation.

Reden wir nicht von memohaftem Austausch oder von Antwort auf Antwort auf Antwort-E-Mails, denn in der Regel dienen diese ja tatsächlich nur einer schriftlichen Diskussion oder einem kurzen Infoaustausch. Hier lese ich ab der ersten Antwort sowieso keine Signatur mehr und auch beim Abschied verkürzt es sich i.d.R. auf den einfachen Namen oder eben gar nichts. Also ausgeklammert.

Reden wir von E-Mails, die als Erstansprache oder als Reminder, Informationsmails oder Anfragen vergleichbar mit analoger Post in die Postfächer flattern. Ich finde, hier muss man unterscheiden, zumindest tue ich das.

Meine Vorliebe für die letzten Worte, die Abschiedsformeln

Gehen wir grundsätzlich davon aus, dass jeder, der eine E-Mail schreibt, auch weiß, dass er als Absender beim Empfänger wahrgenommen wird. Das sich, sofern bereits bekannt, sofortige Assoziationen zu dem Menschen, dem Unternehmen, der Tätigkeit, der Beziehung zu ihm bzw. ihr einstellen. Dass u.a. durch die Abschiedsformel, sofern der Absender noch unbekannt, ein Grundtenor für eine weitere Kommunikation geschaffen wird und eine zu entstehende Beziehung prägt.

Unter dieser Prämisse lese ich ja mit Vorliebe und sehr konzentriert die wenigen letzten Worte, die mir jemand per E-Mail schickt. Ich denke, es ist alles erlaubt, was mich demjenigen, dem ich ein paar Zeilen schicke, sei es in amtlicher oder in privater Mission, so darstellt, wie ich wahrgenommen werden möchte. Also billige ich dies natürlich nicht nur mir, sondern auch meinem virtuellen Gegenüber zu. Er hat seine Chance, genau wie ich. Einerseits. Andererseits präsentiere ich ja nicht nur mich selbst mit meinen Abschiedsworten, sondern ich signalisiere bewusst (die meisten mit Sicherheit unbewusst – hoffe ich!) dem Lesenden irgendeine Form der Wertschätzung. (Phu, das Wort. Aber ja: Wertschätzung). Da mir Ton, Mimik und Gestik beim Lesen verborgen bleiben, kann ich nur die geschriebenen Worte wirken lassen.

Herrliche Vorurteile und die Bilder in meinem Kopf

Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber manchmal sitze ich eine Weile vor der E-Mail und male mir aus, wie der Absender mir in der Direktkommunikation zum Abschied sagt: „Beste Grüße“.
(Ehrlich gesagt, ich habe es bisher noch nicht ein einziges Mal erlebt, das mich jemand mit „Beste Grüße“ verabschiedet hat!)

Ich male mir folgende Situationen aus:

A) Mensch stehend, in einer halb abgewandten Körperhaltung, einem lang ausgestreckten Arm, einem – wenn überhaupt – nur kurzem Blickkontakt und mindestens  zwei Meter gefühltem Körperabstand.

B) Mensch sitzend, an einem am Schreibtisch, deutet nur kurz, ganz nebensächlich eine Kopfbewegung als Abschied an, in den Gedanken meilenweit weg, möchte nicht ganz unhöflich sein, ist es aber.

C) Mensch verunsichert, möchte nicht zu förmlich sein, aber auch nicht zu privat, wählt die Variante „Beste Grüße“ als Kompromisslösung für eine persönlichere und distanzabbauende Abschiedsformel.
Ich könnte das ABC noch mehr strapazieren, aber um es auf den Punkt zu bringen: Wenn ich „Beste Grüße“-E-Mails lese, dann assoziiere ich – oft völlig unreflektiert und intuitiv dem Textton folgend – eine dieser Lesarten:

  • Ich find dich doof und sag es höflich – Beste Grüße!
  • Ich bin genervt (von was oder wem auch immer) – Beste Grüße!
  • Du hast keine Ahnung, ich sag es Dir dezent – Beste Grüße!
  • Ich weiß nicht, wie ich Dir „Auf Wiedersehen“ sagen soll – Beste Grüße!

Es schwingt in meinen Ohren zudem so ein Altherren-Ton á la „Na, mein Bester!“ (Schulterklopf!) mit. Eine wirklich eigenartige Mischung in meinem Kopf. Kein Wunder, dass bei mir gegenüber Schreibern, die ich noch nicht live erlebt habe, herrliche Vorurteile entstehen.

Herausforderung und  Irritation

Nun arbeite ich jedoch mit Freude und meist auch Ausdauer daran, diese blitzlichtartigen Vorurteile sofort wieder abzubauen, und setzte einem „Besten Gruß“  entsprechend personalisierte und situative Abschiedsworte entgegen. Bei Manchen löst sich im Antwortschreiben die versachlichte, distanzierte und eigentlich Nichts sagende Abschiedsformel in Wohlgefallen auf; bei Vielen bleibt es (vorläufig) hartnäckig (auch nach konsequenter Variation von Abschiedsformeln meinerseits) beim „Besten Gruß“. Ich liebe Herausforderungen!

Bei Menschen die ich bereits persönlich kennengelernt habe, führt der „Beste Gruß“ bei mir jedoch tatsächlich mehrheitlich zu Irritationen. War diese Abschiedsformel eine bewusste Entscheidung? Wenn ja, warum? Oder war es nun einmal in der Signatur drin und damit aus dem Augen aus dem Sinn? Fehlt Zeit und Muse für eine Alternative?

Warum diese Nichts aussagende, bisweilen kühl bis abweisend wirkende und semantisch äußerst zweifelhafte Abschiedsformel? Nicht MIT besten Grüßen“, nicht „Mit Besten Grüßen VON/AUS/NACH nein, nur „Beste Grüße“. Irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Nicht Fisch noch Fleisch.

Ich kann mir dieses – dem Wortspiel folgend – Halbgare, nur so erklären:
So wie einige die Variante „Freundliche Grüße“ anstatt „Mit freundlichen Grüßen“ bevorzugen, wählt der „Beste Grüße“-Schreiber die ähm, entschärfte, etwas die Distanz reduzierende und milder wirkende Version von, ja, von was???

„best regards“ statt „Beste Grüße“

Ein Aspekt muss ich wohl noch mit betrachten, denn dieser wird mir oft als Argument entgegengebracht:
Es gibt zahlreiche Menschen, die sich auf das „best regards“ – ich habe viel E-Mailaustausch auf Englisch -Argument stützen. Allerdings muss ich diesbezüglich entgegensetzen: „best regards“ sind nicht zwangsläufig „Beste Grüße“ – es tut mir leid. Ernsthaft. Satt dessen ist es eher so, dass mit diesem Versuch der analogen Übernahme einer englischen Wortgruppe in den deutschen Schriftsprachgebrauch eine neue Baustelle aufgemacht wird: Die offensichtliche Beliebigkeit. Ich persönlich habe durch mehrfaches Prüfen festgestellt, das es verschiedene Lesarten für „best regards“ gibt. Die Übersetzungsangebote lauten u.a. „(Mit) freundiche(n) Grüße(n)“, „Beste Grüße“ oder gar „Herzliche Grüße“.

Welche Verabschiedungsworte soll ich als Empfänger also in der eingedeutschen Version von „best regards“ lesen? Darf bzw. soll ich es mir aussuchen?
Ehrlich gesagt: Das möchte ich nicht. Ich bin ja nicht im Wartezimmer beim Arzt am Tresen und wühle aus Langeweile im Bonbonglas. Die roten sind aus? Ach, da an der Seite ist noch ein grünes. Ansonsten haben wir nur noch gelbe…

Ich bin kein Freund von „Beste Grüße“

Wenn es bis jetzt noch nicht deutlich geworden ist: Ich bin kein Freund von „Besten Grüßen“. Ich fühle mich damit nicht ordnungsgemäß verabschiedet. Ich kann hier keine persönliche Note erkennen. Es transportiert für mich Versachlichung, Distanziertheit und eine gewisse Form der Beiläufigkeit bis hin zur Beliebigkeit. Zudem habe ich verstärkten Interpretationsaufwand, denn ich muss mich jedesmal grundsätzlich fragen: Was will mir der mir Schreibende denn überhaupt mit auf den Weg geben?

Er wünscht mir ja nicht „Dir nur das Beste“ oder „Möge Dir das Beste passieren“, sondern er schickt mir seinen „Besten Gruß“! Welches Repertoire an Grüßen hat er denn? Gibt es „Bessere Grüße“ und auch nur „Gute Grüße“? Das eigentliche Positiv ist damit das Negativ und der Superlativ gilt als Positiv? Was ist mit dem eigentlichen Negativ? Den „Schlechten Grüßen“?  Verschickt die eigentlich jemand? Und wenn ja, was hat das zu bedeuten? Und warum lässt man im Zweifel nicht einfach die Abschiedsformel weg, wenn man für sein Gegenüber nichts zu formulieren hat? Ich schreibe mich (auch in diesem Absatz mal wieder) in Rage!

Wenn es ein „Experte“ sagt…

Zur Selbstjustierung habe ich eben mal kurz im Netz quergelesen und gefunden, dass „Beste Grüße“ als „saloppere Variante, für bessere Bekannte“ im Rahmen der Geschäftskorrespondenz als „zulässige Variation“ aufgeführt wird. Die Variation „Mit besten Grüßen“  als „immer noch recht förmlich, aber zumindest mal anders einsortiert“ – aha! Ich muss an dieser Stelle erfreut feststellen, dass ungeachtet einer anderen Einschätzung der Wortgruppe an sich, dem Autor dieses Beitrages und mir, augenscheinlich das Gleiche wichtig ist: Wie sage ich in einer E-Mail „Auf Wiedersehen“ oder halt „Tschüss“ (Ohne Wiedersehen-wollen), so dass es sowohl dem Sender als auch dem Empfänger gerecht wird?
Ich surfe weiter und muss feststellen, dass der entsprechende Autor oben genanntem Beitrages als Experte im Bereich Job und Karriere gar auch für einem Online-Artikel in der Berliner Zeitung zu Rate gezogen wird und dort tatsächlich „Beste Grüße“ als Vorschlag zur Vermeidung von Floskel-Fallen steht. Herrje. Die Sympathiepunkte schwinden rasant.

Toast Hawai ohne Ananas

Auch Argumentationshilfen ernannter „Experten“ ändern es nicht. Für mich. Ändern es nicht, dass ich „Beste Grüße“ irritierend finde und mir manchmal denke: Dann lass es doch lieber ganz weg, die Sache mit den letzten Worten vor dem Namen. Nicht jedem ist ein ordentlicher Händedruck gegeben, das ist völlig ok. Solche Menschen merkt man sich auch – irgendwie.

Prinzipiell, erschöpft und pauschalierend komme ich am Ende zu dem (für mich vereinfachendem Schluss), dass diejenigen, die „Beste Grüße“ super finden, wahrscheinlich einfach á la „Toast Hawai“-Esser/Hasser oder „Nougat-ODER-Marzipan-Esser“ einzusortieren sind und damit als weiteres Charakteristikum einer Persona zum Einsatz kommen kann, nein, muss!

Dies ist zwar kein inhaltlich befriedigender Gedankenausgang, eher ein etwas hilfloser und harmoniesuchender ob des inhaltsleeren Trends, aber irgendwie auch eine Art einen inneren Monolog zu beenden – ohne Abchiedsformel. Was für ein Glück.

Mittelstandskommunikation 2015 – was eine Studie so auslöst

Es hüpft mein verkümmertes Wissenschaftlerherz und es springt mein aktives Beraterherz. Das passiert nur selten gleichzeitig, deshalb braucht es ein paar Zeilen dazu. In den letzten Tagen wurden die Ergebnisse einer Studie im Netz präsentiert, in der zwei meiner zentralen Themen vereint sind: Kommunikation und Mittelstand.

Ich habe gleich alle erdenklichen Quellen dazu inspiziert und dabei meine Zeitplanung völlig über den Haufen geworfen. Wie in Studienzeiten. Herrje. Klasse. Der geplante Beitrag zum Thema Zeitmanagement muss dann wohl doch noch warten. Und alles nur deswegen:

Mittelstandskommunikation 2015.  – Studie zum Stellenwert und Einsatz von Unternehmenskommunikation im deutschen Mittelstand.

Nachwuchswissenschaftler schaffen Fakten

Am wichtigsten ist für mich bei einer neuen Studie immer: Wer hat diese initiiert? Wer daran gearbeitet? Wer präsentiert am Ende die Ergebnisse? Also der Reihe nach:

Erarbeitet wurde diese Studie im Rahmen eines gemeinsamen Forschungsvorhaben von Fink & Fuchs PR (Geschäftsführer Stephan Fink) und dem Institut für strategische Kommunikation der Universität Leipzig (Prof. Dr. Ansgar Zerfaß und Luisa Winkler M.A.) sowie sechs Studentinnen (Maria Borner, Anja Goller, Bianca Holpert, Annika Schaich, Catharina Tasyürek und Sophia Charlotte Volker) des Master-Studiengangs „Communication Management“. Erhoben wurden die Daten im Rahmen eines studentischen Forschungstransferprojektes im November und Dezember 2014. Das Magazin pressesprecher hat die Studie zudem unterstützt.
Ja, so viele Namen müssen genannt werden, wenn es darum geht aufzuzeigen, dass eine komplexe Forschungsarbeit nicht einfach vom Himmel fällt.

Als Nächstes ist natürlich von Relevanz: Wer wurde befragt und wie viele Befragte stehen für eine – in diesem Falle – Bestandsaufnahme?
Bei manchen Studien interessiert mich auch zuerst die Grundgesamtheit und danach die Forschungsgruppe, wichtig für die grundlegende Einordnung von Umfragen sind meines Erachtens jedoch beide Aspekte.

Insgesamt umfasst das Datenmaterial der Studie 755 vollständig ausgefüllte Online-Fragebögen von Entscheidern in Unternehmen. Beteiligt haben sich 310 Unternehmen aus dem Mittelstand, 262 Großunternehmen, die sich dem Mittelstand zugehörig fühlen sowie 183 Unternehmen, die als Mischform zwischen Mittelstand und Großunternehmen eingeordnet werden. (Für die, die es genauer wissen wollen, siehe z.B. Gabler Wirtschaftslexikon zu  qualitative und quantitative Merkmale des Mittelstands).

310 + 262 = ? mhm

Super ist die gesonderte und doch mehrfach in Vergleich gesetzte Auswertung von Mittelstand und Großunternehmen, denn so wird eine eine selektive Lesart der Studie ermöglicht:

  1. Mich interessieren nur die Stimmen aus dem Mittelstand? Fein.
  2. Ich möchte wissen, wie es die Entscheider aus Großunternehmen sehen? Auch fein.
  3. Ich möchte den direkten Vergleich bei einzelnen Fragestellungen? Dies ist möglich. Perfekt.

Ich suchte allerdings in der Studienpräsentation vergebens die Ergebnisse der 183 Mischform-Unternehmen oder einen Vermerk auf ihren Verbleib. Nun ja. Vielleicht habe ich es ja in der Euphorie nur übersehen?!

Das „K“ in KMU

Von eigentlichem Interesse ist für mich die Auswertung der 310 Rückmeldungen der mittelständischen Unternehmen. An dieser Zahl wiederum ist die Beteiligung von 114 Unternehmen, die eine Unternehmensgröße von 10 bis 49 Mitarbeiter aufweisen, also formal zu den „K“ in KMU zu zählen sind (KMU Definition der Europäische Kommision/IFM Bonn), in meinen Augen besonders aufschlussreich.

Interessant deshalb, weil nur 8,1% der insgesamt rund 3,7 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland zu den eben genannten kleinen Unternehmen zählen (vgl. IFM Bonn 2014 ) und doch 36,8% der Studienteilnehmer ausmachen. Für mich ist das natürlich auch deswegen von Interesse, weil die „K“s in meinem Arbeitsalltag beständig präsent sind.

Großartig wäre an dieser Stelle nicht nur der vergleichende Blick zu den Großunternehmen, sondern auch ein gesonderter Vergleich innerhalb der befragten KMU. Die gesonderte Auswertung der Fragebögen der Kleinunternehmen ist laut Mitherausgebern Luisa Winkler derzeit aber nicht geplant. Schade.

Dennoch, die Ergebnisse der Studie befriedigen nicht nur meine Neugier, sondern bilden darüber hinaus seit Jahren die erste ernstzunehmende Bestandsaufnahme zur Mittelstandskommunikation (die Herausgeber benennen sie hier als „die bislang größte Studie“). Das ist großartig.

Wie kommuniziert denn nun der Mittelstand?!

Eine gute Frage. Eine wichtige Frage. Eine Frage, auf die viele allein aus meinem Kollegenkreis mit ganz eigene Geschichten und Erfahrungen passende Antworten zum Besten geben können, denn fast alle kennen Unternehmen mit einer (erfolgreichen) Kommunikationsstrategie oder dem Praxiskonzept Aus-dem-Bauch-heraus sowie gutem oder auch gut gemeintem Kommunikationsmanagement.
Eigene und geschilderte Erfahrungen sind wichtig für die erfolgreiche Arbeit als Berater, ebenso wie der diesbezügliche Austausch unter Kollegen. Aber sie sind definitiv nicht alles und vor allem nicht objektiv.

Objektiv formuliert ist jedoch die der Studie zugrunde liegende Forschungsfrage:

Welches Verständnis und welchen Stellenwert schreiben mittelständische Unternehmen der Kommunikation zu, wie ist diese organisiert und strategisch ausgerichtet, und wie wird sie im Hinblick auf Wettbewerb um Fachkräfte sowie im Internationalisierungsprozess eingesetzt?

(Zitiert aus „Eckdaten und Methodik der Studie Mittelstandskommunikation 2015“)

Nachdem ich nun weiß, wer die Studie erarbeitet, wer sich beteiligt hat und welche zentrale Fragestellung beantwortet werden soll, stellt sich mir die Frage: Wie macht sie das?

Um die Forschungsfrage beantworten zu können, werden insgesamt 27 Teilfragen in verschiedenen Teilbereichen gestellt. So kann man es nachlesen. Jeder dieser Teilbereiche, wie z.B. „Verständnis und Stellenwert der Kommunikation“, „Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen“, „Arbeitgeberkommunikation“ oder „Internationalisierung“ sind meines Erachtens in sich bereits äußerst komplex. Notgedrungen wird hier also nicht in die Breite gefragt, sondern klar fokussiert. Nach dem Lesen der Ergebnisse möchte ich daher an jeder Stelle noch ein bisschen mehr wissen, als das, was geschrieben steht. Das ist gut. Ich bin ein Interessent an Folgestudien. Die aktuelle Studie zur Mittelstandskommunikation legt ja erst den Grundstein und bedeutet hoffentlich nicht das Ende der Mittelstandsforschung in Sachen Kommunikation.

Nice-to-have oder eine wichtige Grundlage?

Die Euphorie klingt ab. Kritische Stimmen werden wach. Wer braucht so eine Studie mit 755 Stimmen, was sagt sie aus für die rund 3,7 Millionen KMU in Deutschland? Was ist der Mehrwert? Haben sich hier lediglich eine PR-Agentur und ein Lehrstuhl zusammengefunden und überlegt, was sie den Studierenden für ein aktuelles Forschungstransfervorhaben auf den Tisch legen können?

Wir müssen ehrlich sein dürfen:
Hat die PR-Agentur etwas davon? Auf jeden Fall. Der Lehrstuhl? Definitiv. Die Studierenden? Mit Sicherheit. Die an der Studie beteiligten KMU und Großunternehmen? Ich bin optimistisch.

Für diejenigen unter uns, die sich mit der Kommunikation in kleinen und mittelständischen Unternehmen beruflich befassen, schenken diese Forschungsergebnisse keinen wahnsinnig erhellenden Moment á la: „Wow, das gibts ja nicht, das hätte ich niemals gedacht!“ oder Handlungsanweisungen nach dem Motto „Probier es aus, das ist der Weg zum Ziel mit Erfolgsgarantie!“.

Ja, so ist das mit der Arbeit aus dem Elfenbeinturm. Man kann es so sehen, wenn man es möchte.

Ich seh’ es etwas anders. Zwangsläufig. Denn ich bin auf diese Art der Forschung angewiesen, wenn ich wissenschaftlich fundiert wissen möchte, wie Entscheider in Sachen Kommunikation ticken, welche Unterschiede es dabei in Bezug auf verschiedene Unternehmensgrößen gibt und welche Tendenzen sich möglicherweise fernab meines Kunden-Arbeits-Alltags entwickeln. Ich benötige Impulse und bin gespannt auf die Handlungsempfehlungen, die die Forscher aus ihren Ergebnissen ableiten.

Ja, ich bin begeistert, dass es diese Studie gibt, denn für die strategische Kommunikationsberatung in kleinen und mittelständischen Unternehmen reichen Erfahrungen und Bauchgefühl nicht aus, erst recht nicht, wenn das eigene Haupthaar noch keine silbernen Strähnen aufweist. Studien wie diese sind für den analytischen und praktischen Teil der PR-Arbeit unerlässlich und statten strategisch und konzeptionell arbeitende Berater in dem Fachgebiet mit wichtigem Hintergrundwissen aus.

Für die nachwachsende Generation von PR-Profis und strategischen Kommunikationsdenkern sind Forschungen wie diese unerlässlich um komplexe Systeme zu erfassen, eigene Schlüsse daraus zu ziehen und Ansätze für weitere Forschung zu bieten. Ich selbst habe 2010, im Zuge der Erarbeitung meiner Magisterarbeit zum Thema „Innovationskommunikation in kleinen und mittleren Unternehmen der Zukunftstechnologie-Branchen“, stellenweise vergebens nach verwertbarem Forschungsergebnissen zur Mittelstandskommunikation und auch zu dem recht jungen Forschungsfeld Innovationskommunikation gesucht. Das war für mein Vorhaben nicht befriedigend und sehr ärgerlich.

Nun arbeite ich seit meinem Studium vorrangig mit kleinen Unternehmen und habe in den vergangenen Jahren einige zentrale Erfahrungen, die sich tatsächlich mit Ergebnissen aus dieser Studie decken, gemacht. Das untermauert zahlreiche Vermutungen und bisheriges Bauchgefühl. Das ist super. Das ist ernüchternd. Das ist Anreiz.

Elfenbeinturm, Gedankenwolke und Erinnerung – was ein Ergebnisbericht zu einer neuen Studie auslösen kann

Weshalb ich einen so ausführlichen Artikel über die Studie verfasse und doch nicht ein einziges Mal ein zentrales Ergebnis kommuniziere?

  1. Elfenbeinturm: Nur selber lesen macht schlau und schön! Für die, die es auf diesem Wege nicht werden wollen – einzelne Studienergebnisse finden mit Sicherheit Eingang in Artikel auf diesem Blog, aber heute hat es thematisch nicht gepasst.
  2. Gedankenwolke: Als ich die Info auf Twitter (Jawohl auf Twitter, ich erkenne einen Mehrwert als Neuling) gelesen habe, war ich sofort total begeistert, denn ich bin ein bekennender Fan von inhaltsreichen Studien und ich finde Forschungsarbeit in meinem Fachgebiet sehr wichtig. Da es nun eine Studie ist, die sich auf mein Arbeitsgebiet Kommunikation und Mittelstand bezieht, wollte ich ein paar Gedanken dazu loswerden. Und es kommen immer mehr Gedanken dazu. So ist das.
  3. Erinnerung: Als ich 2010 meine Abschlussarbeit über Innovationskommunikation schreiben wollte, musste ich sehr lange dafür kämpfen, kleine und mittlere Unternehmen in den Fokus stellen zu dürfen. DAX 30 und Großunternehmen sind repräsentativer, nicht nur für eine auf Forschungsgelder angewiesene Universität, sondern auch für einen Absolvent der Fachrichtung. Interessiert haben mich allerdings die KMU. Damals wie heute.

Jetzt aber zur Studie Mittelstandskommunikation 2015

Wer sich bisher durchgekämpft hat, ohne die Studie – um die es hier eigentlich geht – parallel gegoogelt zu haben, der findet nun endlich die entsprechenden Links zum Selbststudium:

Ein abschließender Gedanke

Ich habe mein Studium in Teilen und meine Magisterarbeit in Gänze unter der Fittiche des Mitherausgebers Prof. Zerfaß erarbeitet und besuchte auch bei Mitherausgeber Stephan Fink ein Seminar in Projekt- und Etatmanagement. Beide Herren haben, ob als Praktiker oder als Wissenschaftler, bereits im Studium meine sich einseitig entwickelnde wollende geisteswissenschaftliche Denke aufgebrochen. Das empfand ich damals als sehr anstrengend, aber ist für mich heute der nachhaltigste Gewinn aus meiner universitären Zeit.

Was soll das mit der Social Media-Prahlerei?! Butter bei die Fische!

Als Fachfrau in Sachen Kommunikation ist es selbstverständlich, sich aufrecht und elegant auf dem Parkett der Social Media-Plattformen zu bewegen. Kein Mensch glaubt mir sonst, wenn ich in Beratungsgesprächen und Strategiepapieren sinnvolle und zielführende Wege der Onlinekommunikation skizziere oder detailliert zuweise. Aber was soll das immer mit der Prahlerei?! Irgendwann machte jeder einmal seinen ersten Schritt, vor allem und besonders in Sachen Social Media. Ich bin ein Freund der Transparenz. Und ich brauche mir und den zukünftigen Lesern des Blogs nichts vormachen, daher also Butter bei die Fische:

Bei mir begann mein Onlineleben zum Ende der Oberstufe ganz klassisch mit StudiVZ, natürlich nicht über Smartphone, sondern über einen Desktoprechner daheim. Das war irgendwie seltsam, denn wir sahen uns ja ständig in der Schule oder privat oder telefonierten miteinander.

Die erste eigene Website

Nach dem Abitur habe ich ein Projektjahr absolviert – einen Freiwilligendienst gefördert von der Robert Bosch Stiftung. In diesen 12 Monaten waren wir zu zweit für den Aufbau und die Durchführung des Jugendprojektes „soziales lernen“ zuständig (ein tolles Projekt!). Neben Flyern und Plakaten galt es eine Website aufzusetzen, nicht um primär die Schüler und Lehrer zu erreichen, sondern um Geldgebern und Förderern zu zeigen, was wir erreicht haben. Statt 1.000 € für ein CMS auszugeben, entschieden wir uns für einen ehemaligen Schulfreund von mir, welcher eine anwenderfreundliche PHP-Seite im unteren dreistelligen Bereich im Angebot hatte. (Ich habe derzeit nichts, aber auch wirklich nichts, verstanden was die technische Umsetzung betrifft.). Dieser setzte sich ran und programmierte uns eine Seite und weil wir nicht wussten wie diese zu bedienen ist, haben wir die Texte und Bilder 2003 einfach per Mail zum Einpflegen rübergeschickt. Das war alles irre aufregend und wir waren mächtig stolz. Es war mein erstes Konzept zum Launch einer Projektseite. Einige Weitere durfte ich bis heute konzipieren und von geschätzten Kollegen umsetzen lassen.

Zuerst kam XING – lass uns Business machen

Den Erstkontakt mit einer richtigen „seriösen“ Netzwerkplattform hatte ich mit XING im Rahmen eines Praktikums während meines Studiums. Seit dem weiß ich die Vorzüge einer Premiummitgliedschaft zu schätzen, denn ich war im Bereich Personalwesen im Einsatz und habe mich durch eine Vielzahl von Profilen geklickt. Hin und wieder nutze ich es heute um neue und offline bestehende Kontakte in einem lebendigen Adressbuch zu sammeln und verfolge dabei seit Anbeginn eine klare Regelung für meine Kontaktliste: Ich vernetze mich nur mit denjenigen, die ich persönlich gesprochen oder kennengelernt habe, denn ich finde es bis heute irritierend, dass ein Netzwerk ohne persönlichen Bezug einen Mehrwert für die Menschen im Netzwerk darstellen soll.

Eine zögerliche Freundschaft mit Facebook

Als ich während meines Studiums über meinen Büchern in der Bibliothek saß und meine Hausarbeiten schrieb, also vorrangig über dem Notebook hing und mich mit allen möglichen Dingen ablenkte, entdeckte ich Facebook für mich. Genauer gesagt ich meldete mich 2009 mit zittrigen Händen erstmals an. Mit einem Alter Ego der bis heute (vernachlässigt) besteht und hauptsächlich für Candy Crush und dergleichen herhielt. Ich entdeckte also eine neue Plattform, auf der ich mich zögerlich und mit sehr begrenztem Interaktionsradius aufhielt. Die auf mich zurollende Alltäglichkeit im Umgang mit dieser Plattform war mir zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht klar. Eine gewinnbringende Vermischung zwischen privater und beruflicher Interaktion, die heute (weitgehend kontrolliert) stattfindet hatte ich da noch überhaupt nicht auf dem Schirm. Nachdem ich meine ersten Schritte erfolgreich gegangen bin und dabei beständig aufklären musste, wer sich hinter meinem Alter Ego verbirgt, entschloss ich mich zum Klarnamen-Profil.

Es folgten erste Jobs und Beratungsanfragen zur Nutzung und  Implementierung von Facebook als zusätzliche Unternehmenspräsenz. Die Einäugige unter den Blinden. Nach und nach entstanden die ersten Facebook-Seiten. Wahnsinnig spannend. Beständig veränderte Facebook irgendetwas und tut dies noch heute. Damals jedoch begriff ich gar nicht so schnell derweil die übernächste Veränderung bereits um sich griff. Inzwischen arbeite ich mit Kollegen zusammen, die für alle technischen Raffinessen dieser Plattform blitzschnell eine Lösung finden können und konzentriere mich auf das was ich gut kann: Analyse, Konzeption, Redaktion und Evaluation von Facebook-Seiten. Meine eigene Seite werde ich demnächst wohl einmal einer ganz nüchternen Überprüfung und ggf. Neuorientierung unterziehen, hier habe ich als Schuster dem Klische entsprechend einen äußerst schlechten Leisten.

Twitter – ich folge Dir!

Natürlich habe ich einen Twitter-Account. Selbstverständlich weiß ich um diesen Kommunikationskanal in seiner Bedeutung und seinem strategischen Einsatz in allen Bereichen der Unternehmenskommunikation. Theoretisch fundiert, konzeptionell integriert und inzwischen auch praktisch anhand von erfolgter Projektkommunikation. Bisher habe ich jedoch privat tatsächlich noch nicht einen einzigen Tweet abgesetzt. Es gab noch keinen Grund. Für mich. Ich habe mir sagen lassen, dass ging fast jedem so, außer denen, die immer schon keine Scheu hatten ihre Gedanken und Meinungen ungefiltert einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nun folge ich bereits 166 Personen und Institutionen und habe selbst schon 4 Follower und Twitter fordert mich schon seit längerem auf, ich solle endlich #meinErsterTweet ausrufen! Wenn ich den ersten Tweet als @koehlerine veröffentlich habe, gebe ich Bescheid.

Update, 21.05.2015: Ich hab’s getan. Es war aufregend. Aber nur kurz 😉 Ich habe den Startbeitrag des Blogs, Ich bin kein digital native – ich nehms locker! dafür genutzt.

Erster Tweet als @koehlerine, 21.05.2015, 21:16 Uhr
Erster Tweet als @koehlerine, 21.05.2015, 21:16 Uhr

Instagram und Pinterest – wartet auf mich

Facebook sagt mir, ich solle (m)einen Instagram Account jetzt mal endlich anlegen und nutzen – würde ich auch so machen, wenn ich beide Plattformen betreiben würde. Es gibt nichts besseres, als Synergien herzustellen und diese zu nutzen. Aber ich bin noch nicht so weit, vielleicht bin ich es auch noch eine Weile lange nicht. Das Argument fehlender Zeit ist für mich obsolet, denn es ist immer nur eine Frage, ob ich bereit bin, mir entsprechende Zeit zu nehmen. Aber ich habe ein ganz klares Argument anzuführen, welches sich erst in Luft auflösen kann, wenn ich mir die Zeit genommen habe: Ich habe für mich bisher noch kein Nutzungsbedürfnis entwickelt, auch wenn ich für gut gemachte Fotos eine große Schwäche habe und mir eine naturgegebene Neugier eigen ist. Ideale Voraussetzungen auch für die Plattform Pinterest, denn hier finde ich sogar noch großartige Infografiken (so etwas läst mein Herz richtig laut und schnell schlagen) und diese auch noch themenbezogen sortiert bzw. sortierbar. Ich fürchte hier werde ich demnächst – natürlich vorrangig aus beruflichen Gründen – schwach. Die Frage nach dem Zeitmanagement werde ich dabei im Blick haben müssen.

Und ehrlich gesagt, wenn mir etwas liegt, dann ist es das Zeitmanagement. Mit Sicherheit nicht immer zur Freude der Anderen, aber mit Sicherheit ein Thema für einen gesonderten Blogpost!

 

Ich bin kein digital native – ich nehms locker!

Ich bin als Vertreterin des Geburtenjahres 1982 zwar noch gerade so pro forma aber mit Sicherheit nicht wirklich ein digital native. Zwar bin ich in der digitalen Welt erwachsen geworden, aber im Vergleich zu den heutigen Kindern und Jugendlichen begann bei mir die Integration der digitalen Welt in die meinige doch recht spät. Aber es treffen natürlich einige charakteristische Merkmale, die Marc Prensky in seinem 2001 veröffentlichen Aufsatz über digital natives beschreibt, durchaus auch auf mich zu. Und natürlich bewege ich mich inzwischen nicht nur privat, sondern auch beruflich seit einigen Jahren in den sozialen Medien – wie sollte es anders sein.

Dennoch, an manchen Tagen jedoch habe ich das Gefühl, welches meine Generation+ haben muss (Prensky nennt diese „digital immigrants“) – es ist alles irgendwie zu komplex, zu schnell und gefühlt irreal. An all den anderen Tagen verstehe ich die Menschen nicht, die genau dieses denken und sich außerhalb von E-Mail und Telefon nicht erreichen lassen. Beruflich bin ich fast den ganzen Tag online erreichbar, derweil ich in Phasen überwiegend offline agiere. Die spannendsten Situationen in meinen Jobs ergeben sich noch immer offline, die am schwierigsten zu überwindenden Herausforderungen in der Regel online.

Meine Erfahrungen, Erlebnisse und Aha-Momente aus meinem Alltäglichen teile ich wie jeder andere mit den Menschen um mich herum, sie profitieren davon (Menschen lieben Geschichten über Andere zum heimlichen Spiegeln der eigenen Aktionen) genauso wie ich (mein Kopf entleert sich etwas).

Aber, am Ende des Tages, der Woche, des Projektes oder des Auftrags ist mein Kopf noch immer oft gefüllt von Erlebnissen, Ideen, Optimierungsmöglichkeiten und geeigneten Tools für PR- und Projektarbeit. Es leidet daher vorrangig mein privates Umfeld und behauptet, ich würde beginnen vor mich hin zu brabbeln. Einzelne würden sich gerne mit mir darüber unterhalten, aber angeblich winke ich oft ab und bin bereits beim nächsten Gedanken.  Manchen unterbreite ich quasi ungefragt fertige Strategien und Umsetzungsmöglichkeiten, so was ist zwar nett, aber schadet auf Dauer doch meinem eigentlichen Geschäft.
Ich bin Einzelkämpferin in meinem Job, auch wenn ich beständig wechselnd in großen und kleinen Teams agiere, manchmal mit Hut auf, manchmal an der Leine. Dies geht Vielen so. Das macht den Reiz der Selbständigkeit aus. Will man dies nicht, so muss man seine Situation verändern. Ich will meine Situation nicht verändern, denn ich bin sehr zufrieden. Aber ich werde mein Brabbeln kanalisieren müssen und damit optimalerweise etwas von dem weitergeben was nicht nur Einzelnen, sondern auch Anderen von Interesse und von Nutzen sein kann. Und zwar hier. Auf meinem ersten ganz eigenen Blog.

Immer locker bleiben!

Wie eingangs schon geschrieben, ich bin kein digital native im eigentlichen Sinne, ich bin auch nicht besonders technisch versiert oder beständig auf der Suche nach den aktuellsten technischen Trends. Ich bin Geisteswissenschaftlerin, die seit Jahren von Nerds und Freaks umgeben ist. Ich verstehe mittlerweile eine ganze Menge davon, aber es interessiert mich tatsächlich nur begrenzt. Stattdessen nutze ich mein eingeübtes einäugiges Sehen für nervendes Nachfragen und Nachbohren im Rahmen von Aufträgen und Projekten wenn es mal wieder aus technischer Sicht heißt: „Das geht nicht!“ oder „Das können wir nicht machen.“ Sehr oft übrigens mit Erfolg 🙂

Was die Umsetzung meines eigenen Blogs betrifft, handhabe ich es genauso, wie ich es einem Kunden niemals empfehlen würde. Selbstverständlich erarbeiten wir dabei nämlich erst die Strategie und handeln dann. Und genau hier muss ich grinsen, denn die Argumentation der Kunden an dieser Stelle nutze ich heute mal für mich selbst: „Manchmal ist es gut auch einfach den ersten Schritt zu machen und loszulaufen und nicht immer alles zu zerdenken!“ Und dies ist heute für mich stimmig, denn das Ziel ist formuliert, die Begeisterung ist da, das richtige Medium gewählt. Es sollte jetzt endlich losgehen, wenn ich mein Vorhaben jemals in die Tat umsetzen möchte. Dinge dürfen wachsen und bei guter Pflege auch gedeihen. Das ist der Plan. Peu a Peu etwas aufzubauen.

Als Projektfrau habe ich natürlich für alles einen Plan, sowohl die Zeit als auch Ressourcen betreffend. Ich weiß wo meine Kompetenz aufhört und die der anderen beginnt. Für das eigene Baby ist das so eine Sache: Ich habe das Blog-Theme zum Beispiel aus rein ästhetischen Gründen ausgesucht. So etwas macht man nicht. Aber ich fand es viel schöner so, als zuerst alles technisch durchdenken (lassen) zu müssen. Jetzt habe ich mich entschieden und gebe den Rest natürlich in andere Hände. Deshalb, weil hier meine Entscheidungsfreiheit in Hinblick auf meine vorhandene Kompetenz aufhört.

Von Grafik habe ich zum Beispiel insofern eine Ahnung, dass ich einschätzen kann, ob es eine entsprechende Idee transportiert und ob es für die jeweilige Zielgruppe oder Auftraggeber passen kann. Von der konkreten Umsetzung eher keine. Auf diesem Blog werde ich also nicht selbst anfangen Grafiken zu erstellen, sondern wenn ich es wichtig finde, welche erstellen lassen. Gut so. Alle notwendigen technischen Maßnahmen und SEO-Optimierungen gehören ebenso zu einem Blog und finde ich auch extrem wichtig (Natürlich will ich gefunden werden!). Aber was mir schwerfällt, fällt Anderen ganz leicht. Die ToDo-Liste an und von meinem WordPress-Vertrauten wird wohl lang werden und auch sonst wird es Stolpersteine, Fehler und Engpässe geben. Aber was soll’s, ich bin kein digtial native – ich nehms locker!